Linguistische Grabenkämpfe


Eben bin ich seit längerem mal wieder auf Denis‘ Blog gesurft und habe dort einen Verweis auf einen Wikipedia-Artikel mit dem schönen Namen „Buffalo buffalo Buffalo buffalo buffalo buffalo Buffalo buffalo“ gefunden. Dieses Konstrukt ist ein völlig grammatischer Satz des Englischen, bei dem der String Buffalo mal als Eigenname, mal als Nomen und mal als Verb verwendet wird. (mehr …)

Advertisements

Seit einigen Tagen tobt im Bremer Sprachblog ein erbitterter Streit im Kommentarbereich eines aktuellen Eintrages. Im Verlauf der Diskussion, welche inzwischen sogar Godwins Gesetz bestätigt, fiel der Vorwurf, dass der Autor des Blogs, Anatol Stefanowitsch, mehrere „linguistische Todsünden“ begangen habe. Da es gegenwärtig wohl modern ist, für jede Kleinigkeit xy-Punkte-Listen zu verfassen, schliesse ich mich dem Trend an und stelle hier nun meine Vorschläge, was die Sieben Linguistischen Todsünden sein könnten, zur Diskussion: (mehr …)

Eigentlich würde ich mich eher in die Ecke der theoretischen Linguistik stecken; Psycholinguistik liegt mir nicht so und Typologie ist mir zu abstrakt. (Und alles andere, was noch so zur Linguistik gezählt wird, wird bei uns nur so marginal – wenn überhaupt – unterrichtet, dass ich dazu nichts sagen kann und will…). In der Theoretischen gibt es klassischerweise vier, wenn man philosophisch veranlagt ist, fünf Teilbereiche, nämlich Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik (und Pragmatik). Im Folgenden soll es mir heute um die Syntax gehen.

Gleichwohl Syntaxkolloquium, gelegentliche Workshops und Koferenzen in so mancher Zeit die einzigen Lichtblicke des tristen Studienalltags darstellen, schliefen mir bei so manchen Themen, die dort behandelt wurden, regelmäßig die Füsse ein und ich ersehnte mir nichts dringlicher als das Ende der Veranstaltung herbei. Bei anderen Themen wiederum hätte ich stundenlang den Referenten am Ohr kleben können. Irgendwann gab mir das zu denken, welche Art Syntax (im weitesten Sinne) wohl die ist, die mir mehr liegt, und welche nicht. (mehr …)

Vorgestern unterzeichnete ich die Petition gegen das geplante Gesetz zur „Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen“. Um eines gleich vorweg zu nehmen:

Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse.

(aus dem Petitionstext)

Auch das habe ich mitunterschrieben und das meine ich auch. Was die Petition bringen wird: nichts, siehe z.B. hier. Ich habe die Petition dennoch unterzeichnet, da in mir doch noch ein kleines Fünkchen Glaube an Demokratie herrscht. Doch denken wir das ein wenig weiter: (mehr …)

Gestern las ich im Onlineangebot der LVZ (Leipziger Volkszeitung) einen Artikel über die Laktoseintolleranz des Neandertalers. Wissenschaftler des „Max-Planck-Institutes für Evolutionäre Biologie“ (Ich nehme an, dass das MPI-EVA oder besser das „Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie“ gemeint ist) haben demnach festgestellt, dass beim Neandertaler „Das entsprechende Gen, das zur Verdauung von Milchzucker notwendig ist, […] bei erwachsenen Neandertalern nicht mehr aktiv“ sei. Weiter, und für mich weitaus interessanter, heisst es:

Überraschend ähnlich zum modernen Menschen sei allerdings das beim Leipziger Neandertaler-Genom-Projekt festgestellte Gen FOXP2, das eine große Rolle für die Sprachfähigkeit spiele. „Es spricht also nichts dagegen, dass auch der Neandertaler sprechen konnte“, sagte der Leipziger Wissenschaftler [gemeint ist der Leipziger Biochemiker Johannes Krause] dem Bonner „General-Anzeiger“. Auch wenn der genetische Befund für ein Sprachvermögen stehe, sei es allerdings dennoch möglich, dass die Kultur der Neandertaler keine Sprache ausgebildet habe.

[Link und Kommentar von mir]

(mehr …)

Es ist immer gut, wenn man neben dem Besuch der Bacholor-Pflichtveranstaltungen noch etwas Zeit übrig hat, einige Hauptseminare zu besuchen. In meinem Falle handelt es sich um ein Seminar über Gebrauchsfrequenz und wie sich diese morphologisch bzw. phonologisch in den sprachen der Welt bemerkbar macht. Doziert wird das Seminar von dem WALS-Mitautor Prof. Dr. Martin Haspelmath vom MPI-EVA. Nun ist Haspelmath ein handfester Funktionalist und Typologe, der oft keine Gelegenheit auslässt, die Obsoletheit der so genannten „generativen“ Grammatiktheorie zu betonen und bei dem sich im Laufe der Seminare sehr leicht Diskussionen um Methoden und Dogmen entwickeln. Heute jedoch hat er ein Bild geliefert, welches ich gern teilen würde.

(mehr …)

Als mir so nach und nach klar wurde, was Linguistik in Leipzig zu studieren so genau bedeutet, war ich erstmal ganz hingerissen von den Möglichkeiten, welche „Art“ Sprachwissenschaftler man so werden kann. Leipzig hat für jeden was zu bieten: Für den formelbesessenen Theoretiker der Bereich der theoretischen Sprachwissenschaft im Institut für Linguistik an der Uni, für den Typologen der typologische Fachbereich oder wahlweise das Institut für Linguistik am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, und für eher experimentierfreudige Psycholinguisten der gleichnamige Fachbereich sowie das MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften.

Nun wäre es natürlich weltfremd, wenn alle Leute einer Meinung wären und sich bedingungslos gegenseitig unterstützten, zumal man mit vermeintlich ähnlichen Forschungsgegenständen arbeitet. Was mich allerdings etwas überrascht hat, sind die kleinen Sticheleien zwischen Anhängern wenigstens zweier Bereiche. Während ich mir bei den meissten Psycholinguisten nicht sicher bin, wie sie sich positionieren, sind es vor allem die Theoretiker der Uni auf der einen und die Typologen der Uni sowie die Mitarbeiter des MPI-EVA auf der anderen Seite, zwischen denen so eine Art „Hassliebe“ besteht. Das gegenseitige buhlen um die eigenen Anhänger und das gleichzeitige niedermachen der gegnerischen Seite lässt sich bei beiden Lagern beobachten—und beschränkt sich keineswegs auf die Studentenschaft!
(mehr …)