Seit einigen Tagen tobt im Bremer Sprachblog ein erbitterter Streit im Kommentarbereich eines aktuellen Eintrages. Im Verlauf der Diskussion, welche inzwischen sogar Godwins Gesetz bestätigt, fiel der Vorwurf, dass der Autor des Blogs, Anatol Stefanowitsch, mehrere „linguistische Todsünden“ begangen habe. Da es gegenwärtig wohl modern ist, für jede Kleinigkeit xy-Punkte-Listen zu verfassen, schliesse ich mich dem Trend an und stelle hier nun meine Vorschläge, was die Sieben Linguistischen Todsünden sein könnten, zur Diskussion:
Update (22.10.09): Harald Bronstering merkte heute richtigerweise an, dass das da unten Gebote sind, keine Sünden. Also schreib ich, frei nach dem Typologengrundsatz „Weicht ein Phänomen von dem ab, wofür du einen Namen hast, benenne es einfach neu“, in Klammern dahinter, wie die entsprechenden Todsünden genannt werden könnten. Auch hier gilt: steht zur Diskussion.

  1. Du sollst nicht verhandeln mit Sprachnörglern und Sprachgebrauchskritikern und ihre Standpunkte damit als diskussionswürdig aufwerten (Nörgelei)
  2. Du sollst Form und Bedeutung nicht durcheinanderwerfen (Funktionalismus)
  3. Du sollst die Leistungen deiner geistigen Vorfahren (de Saussure, Chomsky, Bloomfield, …) ehren, auch wenn du ihnen widersprichst (Respektlosigkeit)
  4. Du sollst keine präskriptiven Regeln verfassen (Präskriptivismus)
  5. Du sollst Ethnologue nicht als valide Quelle betrachten (Quellenunkritik)
  6. Du sollst kein Papier verfassen, in dem du dich nicht selbst zitierst (Selbstmissachtung)
  7. Du sollst nicht glauben, dass deine Arbeit irgendwann vollendet sein wird (Finitheit)

Könnte man sich noch Überlegen, wie die linguistische Hölle aussehen mag. Der Vorschlag im Falle einer Zuwiderhandlung vor einer Endlosschleife der Bastian-Sick-Schau fixiert zu werden klingt erstmal recht gut…

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