Neben der Linguistik und der Musik liegt mir noch eine Sache ganz am Herzen. Computerspiele. Trotzdem habe ich es in den vier Jahren, die ich bisher in Leipzig wohne, nicht einmal zur Games Convention geschafft, als es diese noch in ihrer Urform gab. Nichmal, als ich noch Informatik studierte. So erfuhr ich gestern eher durch Zufall, dass die GCO, die „Games Convention Online“, heute ihre Toren für den Publikumsverkehr öffnete. Also, warum nicht die GCO besuchen? Wie die grade mal eine Stunde, die ich dort war, verlaufen ist, möchte ich hier kurz schildern.

Zunächst mal erwarteten wir einen regen Ansturm auf die traditionsreiche Fachmesse, also stiegen wir schon eine Haltestelle vor dem Hauptbahnhof in die Strassenbahn, die uns zum Messegelände bringen sollte, um den Massen, die am Hauptbahnhof drohten, aus dem Weg zu gehen. Umso erleichterter waren wir, als gerade mal ein Grüppchen von vier Leuten am Bahnhof zustieg, die man auf Anhieb als potentielle Besucher einer Computerspielmesse erkannte. Am Messegelände angekommen, genossen wir einen Moment die großen Freiräume, die uns der für Messeverhältnisse geradezu leere Platz vor der Haupthalle bot. Ohne auch nur einen Moment warten zu müssen kauften wir unsere Tickets und gingen durch die Drehkreuze in den ebenso leeren Eingangsbereich. Eine kleine Bühne berüßte uns einsam. Wir gingen in die erste der zwei für die GCO reservierten Hallen und uns erstaunte die Tatsache, dass man selbst mit 20 Leuten in einer Reihe zwischen zwei Ständen hätte stehen können, und eine fünfzigköpfige Gruppe bunt beschminkter Anime-Gören hätte noch zehnmal dazwischen gepasst. Mitsamt den obligatorischen Plastik-Engelsflügeln.

Also begannen wir unseren kleinen Rundgang durch die erste Halle mit einem Einblick in die Geschichte der Mobiltelefonie und betrachteten die aufgebrauchten Mobilfunkgeräte mehr oder weniger berühmter Persönlichkeiten. Naja, GCO schliesst ja auch „mobile games“ mit ein. Der weitere Weg führte am überdimensionierten Stand eines in Entwicklung befindlichen Onlinespiels vorbei, welches mich auf den ersten Blick an GTA San Andreas erinnerte. Auch andere Anbieter von Browsergames hatten solche Stände, die waren aber der Qualität der von ihnenbetriebenen Spiele entsprechend eher unscheinbar gehalten. Ansonsten gab es ein paar Bühnen, die aber allesamt noch leer waren, was wohl dem Umstand unseres frühen Erscheines kurz nach Eröffnung geschuldet sein dürfte; ein Infostand der Offiziellen um BPJM, PEGI usw. sowie mehrere Stände von Hardwareproduzenten. Ach ja, und eine riesige Kartbahn, die die Hälfte der zweiten Halle in Anspruch nahm. Insgesamt der Leipziger Messe nicht würdig, und den horrenden Eintrittspreis von 11 bzw. ermäßigt 8 Euro nicht im geringsten wert. Was ich noch am interessantesten fand war ein Stand der Bundeswehr, die unter den jugendlichen Zockern Nachwuchs für den technischen Dienst zu rekrutieren versuchte. Dort verbrachten wir mit einer viertel Stunde noch die längste Zeit und ich liess mir allerhand Infomaterial aufschwatzen. (Interessant daran ist, um mal wieder den Linguisten raushängen zu lassen, dass die Bundeswehr es partout vermeidet, eines der Worte „Krieg“ oder „Waffen“ in seinen Werbeprospekten zu verwenden. Kriege werden zu Konflikten oder Krisen degradiert und, was mir bisher neu ist, Waffen heissen in modernem Bundeswehrsprech „Wehrmaterial“. Es lebe der Euphemismus!)

Was bleibt aber zur GCO zu sagen? Zunächst war es wohl ein böses Omen, dass die Server der GCO kurz vor der offiziellen Eröffnung für den Publikumsverkehr für einige Stunden offline waren, keine guten Voraussetzungen für eine Computerspielemesse. Durch das abgewandertworden der großen Branchenriesen nach Köln bleibt Leipzig nur der ganz kleine Rest, der aber in einer Messe, wie der Leipziger, gnadenlos untergeht. Erst Recht, wenn im Vorfeld hohe Erwartungen gesteckt werden, die man nicht im Ansatz erfüllen kann. Klassiker des Onlinespielens wie Battlefield, Counterstrike oder WoW sucht man auf der GCO ebenso vergebens wie ein Einblick in die kommenden Generationen der Onlinespiele, wie man sie von solch einer Messe eigentlich erwarten würde. Das Einzige, was den Standort Leipzig für eine Spielemesse noch zu retten vermag ist eine mittelschwere Katastrophe in Köln, die den BIU nach Leipzig zurückblicken lässt. Ansonsten ist meine Einschätzung: Game Over, GC(O).

Advertisements