Er ruht immer noch nicht, der Streit zwischen der deutschen Verleger- und Autorenschaft auf der einen, und google/das Internet auf der anderen Seite. Am 15. Juli diesen Jahres fand im Frankfurter Literaturhaus eine von den Initiatoren des Heidelberger Appells organisierte Konferenz statt (siehe z.B. hier). Appell-Initiator Roland Reuß sprach ebenso wie Größen aus dem Verlagswesen. Ich möcte mich kurz mit Roland Reuß befassen.

Franz Kafka sagte kurz vor seinem Tod zu seinem Verleger Max Brod:

Liebster Max, meine letzte Bitte: alles was sich in meinem Nachlass (also im Bücherkasten, Wäscheschrank, Schreibtisch zuhause und im Bureau, oder wohin sonst irgendetwas vertragen worden sein sollte und Dir auffällt) an Tagebüchern, Manuscripten, Briefen, fremden und eigenen, Gezeichnetem u.s.w. findet restlos und ungelesen zu verbrennen, ebenso alles Geschriebene oder Gezeichnete, das Du oder andere, die Du in meinem Namen darum bitten sollst, haben. Briefe, die man Dir nicht übergeben will, soll man wenigstens selbst zu verbrennen sich verpflichten.

Dein
Franz Kafka

Max Brod war der Meinung, dass Kafkas Werk nicht verloren gehen dürfte und veröffentlichte die bis dato nicht erschienen Fragmente und Werke Kafkas trotzdem.

Zurück zu Reuß: Eines seiner Hauptwerke ist die kritische Edition des Gesamtwerkes Kafkas. Drücken wir’s mal polemisch aus, so macht Reuß, der auf die absolute Entscheidungsgewalt der Autoren über ihre Werke pocht, sein Geld damit, indem er sich über den letzten Willen seines Textliferanten (i.e. Kafka) hinwegsetzt und seine Werke, gegen dessen ausdrücklichen Willen, weiterverwertet und herausgibt. Was das über die Glaubwürdigkeit des von Reuß verfassten Heidelberger Appells aussagt, überlasse ich jedem selbst.

Im übrigen gibt es hier ein recht interessantes Interview mit Matthias Spielkamp, Mitgründer und Herausgeber der mit dem Grimme Online Award 2006 ausgezeichneten (und gegenwärtig aus irgendwelchen Gründen nicht zu erreichenden) Website iRights.info, die sich mit dem Urheberrecht in der digitalen Welt auseinandersetzt. Im Gegensatz zu Spielkamp bin ich allerdings schon der Meinung, dass Wissenschaftler verplichtet werden sollten, ihre Werke open access zur Verfügung zu stellen, solange deren Arbeit hauptsächlich aus öffentlicher Hand finanziert ist.

Advertisements