Das Institut für Linguistik der Universität Leipzig ist seit einigen Jahren Mitglied in der DFG-Forschergruppe 742 „Grammatik und Verarbeitung verbaler Argumente“. Da die FG dieses Jahr auslaufen sollte, wurde ein Antrag auf Verlängerung und Erweiterung der Gruppe gestellt, der meines Wissens auch bereits von der DFG angenommen wurde. Die Folien einer dazu gehaltenen Präsentation (pdf) finden sich auf der Homepage der FG. An sich eine tolle Sache, nur ein Detail bringt mich wieder einmal zum Überlegen: Unter der Rubrik „Gleichstellung“ (Sn. 25, 27f.) werden für Gleichstellungsmaßnahmen 45.000€ kalkuliert.

Genauer heisst es darin: Das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Mitarbeitern soll 1:2 betragen (auf zwei männliche Mitarbeiter soll ein weiblicher kommen). Dazu werden pauschal 15.000€ p.a. beantragt, die in

  • Teilnahme von Nachwuchswissenschaftlerinnen im Mentoring oder in Coaching-Programmen
  • Kinderbetreuung außerhalb der üblichen Betreuungszeiten (inkl. Workshop-Wochenenden) für alle in der FG tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

investiert werden sollen.

Nun könnte ich ganze Bände füllen, um meine Position zum Thema Gleichberechtigung von Männlein und Weiblein darzulegen, die Kurzzusammenfassung lautet in etwa: Geschlechterdiskriminierung ist eine Frage des einzelnen Kopfes, nicht eine der Gesellschaft. In diesem Antrag wird ein gesellschaftlichen Problem raus gemacht. Nun kenn ich mich mit dem Beantragen von Forschungsgeldern für Projekte nicht sonderlich aus, ich gehe davon aus, dass solche Mittel vorgeschrieben sind, entweder explizit oder implizit durch Steigern der Chancen, dass Anträge, die solche Mittel vorsehen, eher angenommen werden.

Doch will ich das Ganze etwas differenzierter betrachten: Gegen den zweiten Punkt (Kinderbetreuung) ist sicherlich nichts einzuwenden, was mir übel aufstößt ist der erste Punkt. Dieser impliziert imho, dass — spitz formuliert — weibliche Wissenschaftler per se zu blöd sind, in einer Forschergruppe mitzuwirken und daher gesonderte Förderug bedürfen. Nicht nur, dass das meinen persönlichen Erfahrungen mit meinen weiblichen Kommilitonen widerspricht, ich glaube vielmehr, dass solche Implikationen überhaupt erst dafür verantwortlich sind, dass Geschlechtergleichstellung nötig wird.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter sollte werden, wer fachlich am besten geeignet ist, nicht wer ein bestimmtes Geschlecht hat. Das Problem dabei liegt einzig bei dem, der Mitarbeiter einstellt und gleichermaßen geeignete Mitarbeiterinnen nur wegen des -innen übergeht (Ebenso schlimm ist es, Mitarbeiterinnen einzustellen und gleichermaßen geeignete Mitarbeiter wegen des fehlenden -innen zu übergehen). Ob man diesen Arbeitgeber aber mit zusätzlichen Mitteln zur Gleichstellung zum Umdenken bewegen kann, wage ich zu bezweifeln. Diskriminierung ist — wie schon gesagt — ein Problem des einzelnen Kopfes, nicht eines der Gesellschaft.

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