Die Grundidee des open access ist denkbar einfach: wissenschaftliche Arbeiten sollen für alle und jeden kostenlos verfügbar gemacht werden. Kerngedanke dahinter ist, dass wissenschaftliche Arbeit, zumeist aus öffentlicher Hand finanziert, auch der Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden soll. Wie sieht das Ganze in der Praxis aus?

Die beiden bekanntesten Realisierungen des oen access-Gedanken sind der so genannte goldene und der grüne Weg des open access publishings. Der grüne Weg umschreibt dabei die institutionelle Selbstorganisation von open access-Servern, das Heist, Fachbereiche, Institutionen, auch Universitäten unterhalten Server auf denen Mitarbeiter und Angehörige des Fachbereiches ihre Arbeiten kostenfei hinterlegen können. Bekanntestes und ältestes Beispiel ist das arXiv, im Bereich der Linguistik fallen mir spontan das ROA und LingBuzz ein. Der so genannte goldene Weg ist die kommerzielle Variante des open access, die vor allem von großen Verlagen mehr und mehr umgesetzt wird. Dabei zahlen die Autoren teils horrende Preise um ihre Arbeiten der öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch in dieser Variante sind die Ergebnisse wissenschaftlicehr Forschung für den „Endnutzer“ frei verfügbar. Beispiele sind die open-Choice-Artikel im SpringerLink, ScienceDirect der Elsevier-Verlagsgruppe oder das erst vor wenigen Wochen online gegangene reference global von deGruyter als Vertreter großer Verlage, die eine Abart von open access für sich entdeckten, sowie PLoS oder BioMed Central als prototypische Vertreter reiner opan access-Verlage. Eine schöne Übersicht findet sich auf der offiziellen Seite der deutschsprachigen open access-Bewegung.

Nun haben beide Varianten entscheidende Vor- aber auch Nachteile: Vorteile beider Wege ist sicherlich der Umstand, dass wissenschaftliche Forschungsergebnisse de facto frei verfügbar sind. Oberflächlich betrachtet sollte dies für den Geldgeber mit erheblichen finanziellen Einsparungen verbunden sein: Ein wichtiger Kritikpunkt am herkömmlichen Publikationswesen ist die Dreifachfinanzierung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse:

  1. Zunächst wird die Forschung selbst in Form von Fördermitteln bezahlt.
  2. Darüber hinaus arbeiten viele Wissenschaftler meist ohne Bezahlung seitens der Verlage als Reviewer neben ihrer eigentlichen Forschungstätigkeit, um darin die Forschungsergebnisse Anderer zu bewerten. Da es sich genau genommen um Arbeitszeit handelt, bezahlt auch hier der Steuerzahler indem aus seinen Mitteln die Institutionen, an denen die Wissenschaftler angestellt sind, finanziert werden
  3. Damit die Forschungsergebnisse verfügbar gemacht werden können, investieren Bibliotheken Unmengen an Geldern in Abonements wissenschaftlicher Journals und Bücher. Bibliotheken werden ebenfalls aus öffentlichen Mitteln finanziert. Der Staat kauft also seine eigenen Forschungsergebnisse zurück.

Wie verhält es sich mit der Finanzierung der beiden open access-Modelle?

Im goldenen Weg bezahlen Wissenschaftler für die Publikation ihrer Arbeiten, natürlich nicht selbst, sondern mit Mitteln ihres Forschungsetats. Die oben dargestellte Dreifachfinanzierung weicht hier einer Doppelfinanzierung: Neben den Mitteln der Einrichtung selbst muss der Staat indirekt für die Publikationen aufkommen. Bei Kosten von bis zu 3000 € pro veröffentlichtem Artikel (so bei Springer) ist dieser Weg, betrachtet man einzelne Einrichtungen, unter Umständen teurer, als der herkömmliche Weg.

Der grüne Weg hat diesen finanziellen Nachteil nicht, sieht man von den Kosten, die das Betreiben unzähliger Server nach sich ziehen, ab. Bei diesem Weg liegt der Nachteil in einer unüberschaubaren Menge an verschiedenen open access-Datenbanken. Diese unnötige Diversität ist nicht nur teuer im Unterhalt, sie erschwert auch das Auffinden wissenschaftlich verwertbarer Arbeiten, wenn sie nicht indiziert und/oder reviewed sind.

Mir erscheint es, als sei die wissenschaftliche Welt im Bereich des Publizierens von der Technik überrollt worden. Während die wissenschaftlichen Großverlage die Kurve zu kriegen scheinen und den open access-Begriff für ihre kommerziellen Interessen missbrauchen, dümpeln andere Vertreter des opan access in einem unorganisierten Brei aus guten Vorsätzen und Kleinstaaterei.

Was wäre eine zufriedenstellende Alternative? Man könnte Gelder im Etat von Bibliotheken bereitstellen, die das Betreiben von Publikationsservern ermöglichen. Diese von den Einrichtungen geführten Server könnten denselben Peer-Review-Bedingungen unterliegen, wie die traditionellen Veröffentlichungsformen. Von einer staatlichen — oder noch besser internationalen nicht-staatlichen — Organisation werden die einzelnen Plattformen koordiniert, die Beiträge indiziert und über eine gemeinsame Datenbank verfügbar gemacht. Wissenschaftlern, die diesem Weg nicht folgen wollen, steht es frei, kommerzielle Wege zu nutzen, allerdings dürften dafür dann keine öffentlichen Mittel aufgewendet werden, i.e. die Wissenschaftler müssten die Publikationen und deren Bereitstellung in verschiedenen Bibliotheken dann aus eigener Tasche bezahlen. Zwar würden traditionsreiche wissenschaftliche Verlage damit auf der Strecke bleiben, aber sollte das ein Problem werden, zumal deren Mitarbeiter und deren Erfahrung beim Aufbau eines solchen Netzwerkes durchaus von Nutzen sein könnten?

Ein früherer Aufruf zu einem recht ähnlichem Vorschlag stammt übrigens bereits aus dem Jahre 2001.

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