Seit einigen Wochen schon geistert ein Streit durch die wissenschaftliche Welt: Die Frage, ob Wissenschaftler open access publizieren sollten oder nicht. Auf der einen Seite stehen da die Forschungsgesellschaften und Wissenschaftler, auf der anderen Seite Verlage und andere Wissenschaftler. Das Thema wurde in den vergangenen Tagen auf vielen Blogs (z.B. hier und hier), in Zeitungen (z.B. hier) und auch auf der Strasse diskutiert. Die beiden konträren Standpunkte sind hier (contra open access) und hier (Antwort darauf) zusammen gefasst. Grob überschlagen geht es den Kritikern vor allem um die Sorge nach Urheber- und Verwertungsrechten (wobei der in Deutschland geltende Unterschied zwischen beidem gekonnt ignoriert wird).

Ich für meinen Teil stehe aufgrund meiner Erfahrungen leicht zwischen den Positionen: Zum einen ist open access nur zu unterstützen: Wo Forschung aus öffentlicher Hand gefördert wird, sollten ihre Ergebnisse auch öffentlich (und unentgeldlich) verfügbar gemacht werden. Ob Ottonormalbürger das Geschriebene versteht, ist dabei erstmal unerheblich. Mein zweiter Grund open access zu unterstützen ist an studienrelevante Informationen zu gelangen, ohne erst den Fussweg zur Bibliothek oder das mühsame Einschalten eines VPN-Clients um Zugang zum uniinternen Netzwerkes zu erhalten zu vollziehen. Der dritte Grund hat mit meiner Einstellung allem gegenüber zu tun, für das man Geld bezahlen muss, aber darauf werde ich hier nicht weiter eingehen.

Auf der anderen Seite habe ich mich die ersten zwei Semester meines Studentenlebens damit über Wasser gehalten, in einer Setzerei für einen großen wissenschaftlichen Verlag zu arbeiten (der ein open access-Modell vertritt, für den der Autor — bzw. seine Geldgeber — eine astronomische Summe zahlen muss, wenn er seine Arbeit frei verfügbar veröffentlicht haben will), was letztlich nicht nur meinen LaTeX-Kentnissen zu Gute kam sondern auch und vor allem meinem Geldbeutel. Da ist der Weg zum Gedanken an das ganze drumherum an einem (wissenschaftlichen) Verlag nicht weit; nicht nur Setzer, auch Editoren, Verleger, Drucker, auch Papierhersteller und unzählige Weitere hängen an so einem Verlag direkt oder indirekt dran und leben davon. Und Verlage sind nunmal wirtschaftliche Unternehmen, das heisst, wenn die Umsätze auch nur minimal einbrechen, werden solche Jobs als erstes abgebaut. Auch wenn ich die Wahl hätte, ein sauber gebundenes Buch zu lesen oder mühsamen ein Buch herunter zu laden, es auszudrucken und mit einer Ringbindung zu versehen, würde ich, frei nach Ockham, jederzeit den einfacheren Weg des Buchkaufes wählen. Das wären für mich Gründe, die generelle Kritik an der open access-Bewegung zu verstehen.

Dann aber wiederum schaue ich mir die Zahlen an, die man über die Umsätze großer Verlage lesen kann (da steht was von Umsatzrendite 31% oder Umsätze von knapp 47 Millionen Euro) und bekomme langsam ein Bild, warum solche Verlage wirklich froh darüber sind, dass einige Leute von Urheberrecht keine Ahnung haben und ihr Vorgehen gegen open access wohlwolend unterstützen…

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