Es ist immer gut, wenn man neben dem Besuch der Bacholor-Pflichtveranstaltungen noch etwas Zeit übrig hat, einige Hauptseminare zu besuchen. In meinem Falle handelt es sich um ein Seminar über Gebrauchsfrequenz und wie sich diese morphologisch bzw. phonologisch in den sprachen der Welt bemerkbar macht. Doziert wird das Seminar von dem WALS-Mitautor Prof. Dr. Martin Haspelmath vom MPI-EVA. Nun ist Haspelmath ein handfester Funktionalist und Typologe, der oft keine Gelegenheit auslässt, die Obsoletheit der so genannten „generativen“ Grammatiktheorie zu betonen und bei dem sich im Laufe der Seminare sehr leicht Diskussionen um Methoden und Dogmen entwickeln. Heute jedoch hat er ein Bild geliefert, welches ich gern teilen würde.


Er sagte (sinngemäß):

Die „generative“ Grammatik ist im Prinzip die Genetik, wärend die funktionalistische Typologie die der Biologe ist. Während Genetiker nach dem Code des Lebens suchen und schauen, was überhaupt möglich und – wichtiger noch – unmöglich ist, wollen Biologen herausfinden, was sich letztlich durchsetzt und in welcher Form bzw. Verteilung und Klassifikation.

Ebenso verhält es sich in der theoretischen Linguistik: Während Formalisten nach den Grundbausteinen der Sprache forschen, interessieren sich Typologen hauptsächlich für die unterschiedlichen Möglichkeiten, diese Bausteine zusammenzusetzen und wie diese Möglichkeiten sich letztlich manifestieren und in Form von Einzelsprachen bemerkbar machen.

Aus diesem Grund halte ich es für falsch, beide Forschungsansätze in einer Art Schaukampf direkt gegenüberzustellen, da das folgendem Bild gleichkommen würde:

Das ist wie Zitronen mit Äpfeln zu vergleichen und sich hinterher aufzuregen, dass das eine sauer ist, obwohl beides auf Bäumen wächst…

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