Gestern gingen sie mit einem Paukenschlag zu Ende: Die 32. Leipziger Jazztage. Zugegeben, diese sind etwas unbemerkt an mir vorübergegangen, wie auch schon die Jazztage in den Jahren vorher, die ich in Leipzig war. Doch dieses mal kam ich nicht umhin mir wenigstens das Finale in der Leipziger Oper anzuhören, wäre es doch ein Sakrileg sich Marcus Miller, Stanley Clarke und Victor Wooten entgehen zu lassen, erst Recht, wenn man nach dem stressigen Uni-Alltag selbst hin und wieder den E-Bass zupft. Also von Vati schnell die 32 Euro für eine Karte spendieren lassen und ab.

Nun ist so ein Konzert für das Selbstwertgefühl eines Bassisten Gift: Man wird sich auf einmal bewusst, wie unfähig und kümmerlich man selbst ist, wenn man DIE Bassisten spielen sieht, noch dazu auf einundderselben Bühne und gleichzeitig. Doch der Reihe nach.

Das Konzert begann um halb acht, die erste Gruppe war die 13-köpfige Jazzkombo keek aus der Schweiz. Präsentiert wurde eine chaotische Interpretation der Arthussage, in Taktarten, die ich teilweise nicht mal zählen könnte…

Nach einer Stunde und einer 20-minütigen Pause betrat eine finnische Nachwuchsband die Bühne, die mein Verständnis von Musik wohl nachhaltig verändert haben dürfte. Kvalda heisst die Gruppe, bestehend aus zwei Jungs und zwei Mädels, die ich jedem Liebhaber von Jazz und interpretierten Gefühlen nur wärmstens empfehlen kann. Ein Lied, geschrieben von der grandiosen Schlagzeugerin Hanne Pulli, beispielsweise, heisst paha päivä, was übersetzt so viel wie „ein schlechter Tag“ bedeutet, und genau so hört es sich auch an. Wer mal reinhören möchte, kann das auf der myspace-Seite der Band tun.

Nach diesem eigentlich kaum noch zu überbietenden Klangfeuerwerk (und einer weiteren halben Stunde Pause) betraten die drei Großen der Basser-Szene die Bühne und boten eine Show, die wohl ihresgleichen sucht. Mal abgesehen davon, dass ich jetzt eine leichte Kieferstarre habe, da ich meinen Mund vor Begeisterung nicht mehr zubekommen habe, lässt sich eigentlich kaum gebührend beschreiben, welche Wirkung dieses Konzert hatte.

Insgesamt ging das Konzert bis halb eins und jede einzelne Minute dieser fünf Stunden war den Eintrittspreis mehr als wert. Leider hat mir das Konzert einen lange verdrängten Wunsch wieder ins Gedächnis gerufen: Ich will wieder auf die Bühne…

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